Annette von Droste-Hülshoff – Am Charsamstag

Tiefes, ödes Schweigen,
Die ganze Erd‘ wie tot!
Die Lerchen ohne Lieder steigen,
Die Sonne ohne Morgenrot:
Auf die Welt sich legt
Der Himmel matt und schwer,
Starr und unbewegt
Wie ein gefrornes Meer.
O Herr, erhalt‘ uns!

Sabbat
Sabbat

Meereswogen brechen,
Sie toben sonder Schall;
Nur die Menschenkinder sprechen,
Doch schaurig schweigt der Widerhall.
Wie versteinet steht
Der Äther um uns her,
Dringt wohl kein Gebet
Durch ihn zum Himmel mehr?
O Herr, erhalt‘ uns!

Sünden sind geschehen
Für jedes Wort zu groß,
Daß die Erde müßt‘ vergehen,
Trüg‘ sie nicht Jesu Leib im Schoß.
Noch im Tod voll Huld
Erhält sein Leib die Welt,
Daß in ihrer Schuld
Sie nicht zu Staub zerfällt.
O Herr, verschon‘ uns!

Jesus liegt im Grabe,
Im Grabe liegt mein Gott!
Was ich von Gedanken habe,
Ist doch dagegen nur ein Spott.
Kennt in Ewigkeit
Kein Jesus mehr die Welt?
Keiner der verzeiht,
Und keiner der erhält?
O Herr, errett‘ uns!

Ach, auf jene Frommen,
Die seines Heils geharrt,
Ist die Glorie gekommen
Mit seiner süßen Gegenwart.
Harrten seiner Huld:
Vergangenheit die Zeit,
Gegenwart Geduld,
Zukunft die Ewigkeit.
O Herr, erlös‘ uns!

Lange, lange Zeiten
In Glauben und Vertraun
Durch die unbekannten Weiten
Nach unbekanntem Heil sie schaun;
Dachten sich so viel,
Viel Seligkeit und Pracht;
Ach, es war wie Spiel,
Von Kindern ausgedacht.
O Herr, befrei‘ uns!

Herr, ich kann nicht sprechen
Vor deinem Angesicht!
Laß die ganze Schöpfung brechen,
Diesen Tag erträgt sie nicht!
Ach, was naht so schwer?
Ist es die ew’ge Nacht?
Ist’s ein Sonnenmeer
In tausend Strahlenpracht?
O Herr, erhalt‘ uns!

aus: Annette von Droste-Hülshoff – Das geistliche Jahr

Von der Natur lernen

Ich sage ja immer, sieh‘ dir die Natur an und lerne. Ein Laubbaum, so wunderbar grün ist das Objekt der Begierde. Grün, oh leuchtendes Grün, wie schön du bist.

Baum
Der Baum ist grün

Wähle Grün, sag‘ ja zu Grün. Aber! Ende des Monats, nach der Wahl, dann ist die Patina ab. Das grüne Grün ändert sich. Verfärbt sich, zeigt seinen wahren Charakter.

Baum
Der Baum ist rot.

Das Grün wird Gelb. Das Grün wird Rot. Das Grün wird Braun.

Baum
Der Baum ist tot

Und schließlich beginnt das Grün zu stinken.

Aus totem Stein

Aus totem Stein wächst blühendes Leben.

Leckere Schonkost
Leckere Schonkost im Trog serviert

Das ist alles, was ich dazu zu schreiben habe.

Das Bild ist aus dem Jahr 2008. Damals, also in der guten alten Zeit, haben Ende April noch die Osterglocken geblüht. Waren das noch Zeiten, als keine Klimahysterie (geschweige denn Koronapanik) die Freude am Leben vergällte. Heute ist das ja anders. Heute wissen wir, wie leichtsinnig wir damals waren. Heute wächst gerade noch Schonkost. Korona Schonkost.

Das wollte ich noch maskenpflichtschuldig geschrieben haben.

Die Unmöglichkeit der Zeitreise

Zeit ist ein fundamentales Phänomen. Man kann sie lieben, man kann sie hassen, es stört die Zeit nicht. Genauer formuliert, es stört die Zeit nicht im Geringsten.

Der Baum
Tot oder nicht tot – die Zeit nagt an den Zweigen.

Was ist aber nun Zeit, dieses arrogante A…och? Die Frage ist nicht neu und sie hat alle Jahre wieder die Menschen in tiefe Unruhe versetzt.

Bisher ist die Zeitfrage nur mäßig bis saumäßig gelöst.

Doch das ist jetzt anders. Hier kommt die ultimative Antwort auf die ultimative Frage:


„Die Unmöglichkeit der Zeitreise“ weiterlesen

Hauptsache Latein

Latein ist eine tote Sprache. Unbeachtet von der Presse versinkt sie immer tiefer im großen Morast des Vergessens. Einst, nicht nur zu Cäsars und Ciceros Zeiten, war sie groß und beliebt. Knapp 50 Jahre ist es her, dass ihr die Kirche das unverdiente Ende bereitete.

So groß war mein letzter Fisch!!!
So groß war mein letzter Fisch!!!

Aber Latein lässt sich nicht unterzukriegen. Nicht nur in kleinen Untergrundzirkeln wird gepflegtes Latein gesprochen, nein, Latein hat sich auch bestimmter Kreise bemächtigt, die gar nicht daran denken, Latein auf den Müll der Geschichte zu werfen.

Ich war auch ganz baff, das sage ich in aller Bescheidenheit
Ich war auch ganz baff, das sage ich in aller Bescheidenheit

Jäger sind ein bekanntes Beispiel. Angler mögen ebenfalls das Latein. Das berufsspezifische Latein erfreut sich so großer Beliebtheit, dass sogar die Fauna davon ergriffen wird (s. Bild: Erwin Schwan preist in höchsten Tönen seinen letzten Fang).

Wie? Du glaubst mir nicht?
Wie? Du glaubst mir nicht?

Einzig die Norddeutschen bilden – mal wieder – eine peinliche Ausnahme. Hier wird nicht Latein gesprochen, sondern Garn. Seemannsgarn.

November – Monat der Toten

Der November steht ganz im Zeichen der Verstorbenen. Allerheiligen und Allerseelen eröffnen den Monat, in den ersten acht Tagen ist es möglich, für die armen Seelen im Fegefeuer einen vollständigen, oder einen Teilablass zu erwirken.

Der alte Friedhof in Freiburg ist ein sehr schöner, denkmalgeschützter Friedhof, ein Ort der Stille und der Ruhe. Prächtige Grabsteine zieren die Gräber. In diesem Monat werde ich ab und zu Bilder von Grabsteinen veröffentlichen.

Das Kindergrab der Caroline Walter
Das Kindergrab der Caroline Walter

Den Anfang macht das Kindergrab von Caroline Walter, es wird heute noch von Unbekannten geschmückt, jeden Tag, seit fast 150 Jahren.

Zu Füßen ist eine Tafel angebracht, worauf steht:

„Dieses Denkmal widmet Selma Schleip geb .Walter ihrer einzigen Schwester Caroline Christine Walter von Opfingen“

Die letzten Zeilen der Inschrift sind nicht mehr zu entziffern. Hier gibt es eine Abschrift einer Tagebuchaufzeichnung, in der die anrührende Geschichte der Caroline Christine Walter in knappen Worten erzählt ist. Von dort ist auch diese Information. Die mittlerweile verwitterten letzten Zeilen:

geb…. gest.19.August 1867″ (1850 ? ) (17 Jahre alt )