Abendrot!

Abendrot, Abendrot.
Morgen ist die Katze tot.

Ich beim 1000 miles and more Lauf
Ich habe ein neues Selfie gemacht, damit jeder nachvollziehen kann, wie schwer Sport ist.

Moment. Da stimmt etwas nicht. Das Versmaß ist in Ordnung. Der Fehler liegt an anderer Stelle. So ein Mist. Ich bin gerade erst gestartet, 4:30, wenn ich mich recht entsinne, und habe jetzt schon wieder Kohldampf.

Höchstleistungssport ist ein harter Job. Training on the Job ist im Sport training on the life. Man, man, man. Schon 9:53:57. Fast 9:54. Ich habe erst 201,47 Km gemacht. Ich schlaff ab.

Und dann der Fehler im Reim. Das darf nicht sein.

Heureka! Ich habe es:

Morgenrot, Morgenrot.
Morgen ist die Katze tot.

Mist. Mein Gedicht ist immer noch nicht deklamierenswert. (217,39 Km, das geht in Ordnung.)

Jetzt habe ich den Fehler gefunden. Dreimal Morgen ist einmal zu viel.

So ist das Gedicht besser und richtig:

Morgenrot, Morgenrot.
Heute ist die Katze tot.

Jenny wird sich bestimmt über mein schönes Gedicht freuen. BOAR!

Jetzt hätte ich aber beinahe ziemlichen Bockmist gemacht. Nach unserem Streit gestern Abend könnte sie das Wort Katze in den falschen Hals kriegen. Dann wäre endgültig Essig mit gemütlichem Abend, heute Abend. PUH! So muss das Gedicht heißen:

Morgenrot, Morgenrot.
Heute ist die Grille tot.

Ja! Das ist ein schönes Gedicht!
„Abendrot!“ weiterlesen

Annette von Droste-Hülshoff – Am Charsamstag

Tiefes, ödes Schweigen,
Die ganze Erd‘ wie tot!
Die Lerchen ohne Lieder steigen,
Die Sonne ohne Morgenrot:
Auf die Welt sich legt
Der Himmel matt und schwer,
Starr und unbewegt
Wie ein gefrornes Meer.
O Herr, erhalt‘ uns!

Sabbat
Sabbat

Meereswogen brechen,
Sie toben sonder Schall;
Nur die Menschenkinder sprechen,
Doch schaurig schweigt der Widerhall.
Wie versteinet steht
Der Äther um uns her,
Dringt wohl kein Gebet
Durch ihn zum Himmel mehr?
O Herr, erhalt‘ uns!

Sünden sind geschehen
Für jedes Wort zu groß,
Daß die Erde müßt‘ vergehen,
Trüg‘ sie nicht Jesu Leib im Schoß.
Noch im Tod voll Huld
Erhält sein Leib die Welt,
Daß in ihrer Schuld
Sie nicht zu Staub zerfällt.
O Herr, verschon‘ uns!

Jesus liegt im Grabe,
Im Grabe liegt mein Gott!
Was ich von Gedanken habe,
Ist doch dagegen nur ein Spott.
Kennt in Ewigkeit
Kein Jesus mehr die Welt?
Keiner der verzeiht,
Und keiner der erhält?
O Herr, errett‘ uns!

Ach, auf jene Frommen,
Die seines Heils geharrt,
Ist die Glorie gekommen
Mit seiner süßen Gegenwart.
Harrten seiner Huld:
Vergangenheit die Zeit,
Gegenwart Geduld,
Zukunft die Ewigkeit.
O Herr, erlös‘ uns!

Lange, lange Zeiten
In Glauben und Vertraun
Durch die unbekannten Weiten
Nach unbekanntem Heil sie schaun;
Dachten sich so viel,
Viel Seligkeit und Pracht;
Ach, es war wie Spiel,
Von Kindern ausgedacht.
O Herr, befrei‘ uns!

Herr, ich kann nicht sprechen
Vor deinem Angesicht!
Laß die ganze Schöpfung brechen,
Diesen Tag erträgt sie nicht!
Ach, was naht so schwer?
Ist es die ew’ge Nacht?
Ist’s ein Sonnenmeer
In tausend Strahlenpracht?
O Herr, erhalt‘ uns!

aus: Annette von Droste-Hülshoff – Das geistliche Jahr

Annette von Droste-Hülshoff – Am vierten Sonntage nach Ostern

„Ich gehe zu Dem, der mich gesandt hat.“

Nicht eine Gnadenflamme hehr
Vor deinem Volke soll ich gehn;
Nein, ein versteinert Leben schwer
Wie Sodoms Säule muß ich stehn
Und um mich her
Die Irren träumend schwanken sehn.

Morgenrot

Und ob auch Öde mich umgibt,
Ob mich erstickt der Nebel fast,
Mir Wirbelsand die Augen trübt,
Doch weiß ich, daß mein Sinn dich faßt,
Daß er dich liebt,
Und daß du mich gesendet hast.

Den Lebenshauch halt ich von dir,
Unsterblich hast du mich gemacht;
Nicht Glut, nicht Dürre schadet mir.
Ich weiß, ich bin in deiner Wacht,
Und muß ich hier
Auch stehn wie ein Prophet der Nacht.

Ich hebe meine Stimme laut
Ein Wüstenherold für die Not:
„Wacht auf, ihr Träumer, aufgeschaut!
Am Himmel steigt das Morgenrot.
Nur aufgeschaut!
Nur nicht zurück, dort steht der Tod!

Nur aufgeschaut, nur nicht zurück!
Laßt Menschenweisheit hinter euch!
Sie ist der Tod; ihr schnödes Glück
Ist übertünchtem Grabe gleich.
O hebt den Blick!
Der Himmel ist so mild und reich.“

Könnt ich mein Auge heben nur,
Mein steinern Auge zu dem Blau:
Wie sög‘ ich aus der Himmelsflur
So liebekrank den milden Tau!
Doch hat Natur
Und Schuld verschlossen mir die Brau.

Ob nimmer sich die Rinde hebt?
Ach einmal, einmal muß es sein!
Wenn Sodoms Säule sich belebt,
Dann bricht auch meine Stunde ein,
Wenn es durchbebt
Den armen blutberaubten Stein.

Dann soll ich wissen, was ich bin,
Warum so todesstarr und matt;
Dann weiß ich, was den klaren Sinn
Getrieben zu der öden Statt;
Dann knie ich hin
Vor dem, der mich gesendet hat.

aus: Annette von Droste-Hülshoff – Das geistliche Jahr

Annette von Droste-Hülshoff – Fastnacht

Evangelium: Vom Blinden am Wege (vom letzten Sonntag, Quinquagesima)

Bussard

Herr, gib mir, daß ich sehe!
Ich weiß es, daß der Tag ist aufgegangen,
Im klaren Osten stehn fünf blut’ge Sonnen,
Und daß das Morgenrot mit stillem Prangen
Sich spiegelt in der Herzen hellen Bronnen.
Ich sehe nicht, ich fühle seine Nähe,
Herr, gib mir, daß ich sehe!

Und wie ich einsam stehe,
Sich um mich regt ein mannigfaches Klingen;
Ein Jeder will ein lichtes Plätzchen finden,
Und Alle von der Lust der Sonnen singen.
Ich nimmer kann die Herrlichkeit ergründen,
Und wird mir nur ein unergründlich Wehe.
Herr, gib mir, daß ich sehe!

Wie ich die Augen drehe
Verlangend durch die Lüfte weite Reiche,
Und meine doch, ein Schimmer müsse fallen
In ihrer armen Kreise öde Bleiche,
Weil deine Strahlen mächtig doch vor allen;
Doch fester schließt die Rinde sich, die zähe:
Herr, gib mir, daß ich sehe!

Gleich dem getroffnen Rehe
Möcht‘ ich um Hilfe rennen durch die Erde;
Doch kann ich nimmer deine Wege finden.
Ich weiß, daß ich im Moor versinken werde,
Wenn nicht der Wolf zuvor verschlang den Blinden;
Auch droht des Stolzes Klippe mir, die jähe.
Herr, gib mir, daß ich sehe!

So bleib‘ ich auf der Höhe,
Wo du zum Schutz gezogen um die Deinen
Des frommen Glaubens zarte Ätherhalle,
Worin so klar die roten Sonnen scheinen,
Und harre, daß dein Tau vom Himmel falle,
Worin ich meine kranken Augen bähe.
Herr, gib mir, daß ich sehe!

Wie sich die Nacht auch blähe,
Als sei ich ihrer schwarzen Macht verbündet,
Weil mir verschlossen deine Strahlenfluten:
Hat sich doch ihre Nähe mir verkündet,
Empfind‘ ich doch, wie lieblich ihre Gluten.
So weiß ich, daß ich nicht vergeblich flehe:
Herr, gib mir, daß ich sehe!

Und wie mich Mancher schmähe,
Als soll‘ ich nie zu deinem Strahl gelangen,
Dieweil ich meine Blindheit selbst verschuldet,
Da ich in meiner Kräfte üpp’gem Prangen
Ein furchtbar blendend Feuerlicht geduldet,
Mir sei schon recht, und wer gesä’t der mähe:
Herr, gib mir, daß ich sehe!

Herr, wie du willst, geschehe!
Doch nicht von deinem Antlitz will ich gehen;
In diesen Tagen, wo die Nacht regieret,
Will ich allein in deinem Tempel stehen,
Von ihrem kalten Zepter unberühret,
Ob ich den Funken deiner Huld erspähe.
Herr, gib mir, daß ich sehe!

Daß mich dein Glanz umwehe,
Das fühl‘ ich wohl durch alle meine Glieder,
Die sich in schauerndem Verlangen regen.
O milder Herr, sieh mit Erbarmen nieder!
Kann ein unendlich Flehn dich nicht bewegen?
Ob auch der Hahn zum dritten Male krähe,
Herr, gib mir, daß ich sehe!

aus: Annette von Droste-Hülshoff – Das geistliche Jahr