Karneval iss vorbei – Jetz‘ iss wachfasten

WAS ISS? Un‘ warum sacht mir nich‘ keiner, dass Karneval nu‘ vorbei iss un‘ ich endlich fast‘n kann!

Gut auf'et fast'n vorbereitet
Gut auf’et fast’n vorbereitet

Ich tu‘ diesma‘ richtich klasse fast‘n tun. Ich tu‘ wachfasten. Ich tu‘ streng darauf verzicht‘n wach zu sein. Klasse!

Wer schläft tut nich‘ sündig‘n. Weck‘ mich ma‘ in‘ne Nacht zu Osternsonntach. Un‘ jetz‘ halt‘s Maul un‘ lass mich in Ruhe poff‘n, nee, ich mein fast‘n tun.

11. Fastentag 2021

Mmmmhm! Die Fastenzeit ist prima. Absolut klasse.

Graugans im Rosensteinpark
Der Fastenden Leid ist der Graugans Freud‘.

Abbruchfasten ist einmalig gut. Einmal am Tag satt essen und dann höchstens einen kleinen (oder auch zwei) Happen zwischendurch. Und das Beste ist, das Essen muss abstinent sein.

Abstinent ist sowas von super klasse! Abstinent heißt kein Fleisch oder Fleischprodukte von warmblütigen Tieren, also zum Beispiel Graugänsen wie mich.

Sonntags wird nicht gefastet. Ist halt so. Ich verziehe mich sonntags immer woanders hin, nie im Rosensteinpark.

So komme ich gut über die Runden.

10. Fastentag 2021

Dieser Montagmorgen bringt Verdruß. Während der letzten Tage sind einige Zwiebeln gesproßen.

Tulpe
Diese hohlen Tulpenblätter werden nichts. Mist.

Die Tulpenblätter auf dem Bild stammen von vor zwei Jahren eingepflanzten Tulpenzwiebeln. Im letzten Jahr wuchsen nur diese hohlen Hüllblätter, dieses Jahr wird genauso tulpenblütenlos wie letztes Jahr.

Aber nicht nur die Tulpen sind leer, mein Magen ist es auch. Er knurrt unverschämt.

Das kann ja heiter werden, für den Rest des Tages, für den Rest der Woche.

Sechs Tage noch!!! Oje.

6. Fastentag 2021

Ein paar Tage frühlingshaftes Wetter im Februar und schon beginnt alles zu sprießen.

Es grünt so schön
Der Frühling kommt. Es grünt so rot!

Unter solchen Bedingungen sollte es doch viel einfacher mit dem Fasten sein.

Moment! Wieso denn das? Was hat die sprießende Natur mit Fasten zu schaffen? Die Rosentriebe lassen sich sowieso nicht essen. Die schmecken nicht. Das habe ich schon probiert.

1. Fastensonntag 2021

Annette von Droste-Hülshoff

Am ersten Sonntag in der Fasten

Evang.: Von der Versuchung Christi

„Sprich, daß diese Steine Brode werden!
Laß dich deine Engel niedertragen!
Sieh die Reiche dieser ganzen Erden!
Willst du deinem Schöpfer nicht entsagen?“
Dunkler Geist, und warst du gleich befangen,
Da du deinen Gott und Herrn versucht:
Ach, in deinen Netzen zahllos hangen
Sie, verloren an die tück’sche Frucht.

Steine

Ehrgeiz, Hoffahrt, dieser Erde Freuden,
Götzen, denen teure Seelen sterben.
O mein Gott, laß mich nicht ewig scheiden!
Laß mich selber nicht den Tod erwerben!
Ganz verwirrt weiß ich mich nicht zu fassen,
Drohend schwankt um mich der falsche Grund;
Ach, der eignen schwachen Kraft gelassen,
Tret‘ ich sinnlos in den losen Schlund.

Jesu mein, zu dir steigt auf mein Flehen,
Auf der Kreuzesleiter meine Stimme!
Du berührst die Meere, sie vergehen,
Und die Berge rauchen deinem Grimme;
Doch mit tausend Himmelszweigen blühet
Dein unendlich Gnadenwort empor;
Du verlöschest nicht den Docht, der glühet,
Und zerbrichst nicht das geknickte Rohr.

Herr, ich bin ein arm und kaum noch glühend
Döchtlein am Altare deiner Gnade;
Sieh, mich löscht ein mattes Lüftchen fliehend,
Mich ein Tropfen von der Welt Gestade!
Ach, wenn nicht in meinem Herzen bliebe
Nur ein einzig leuchtend Pünktlein noch,
Jener heiße Funken deiner Liebe,
Wie so ganz erstorben wär‘ ich doch!

Herr, du hast vielleicht noch viel beschlossen
Für dies kurze ruhelose Leben,
Ob ich soll in Qualen hingegossen,
Ob ich soll in allen Freuden weben;
Darf ich wählen, und will Lust mich trennen,
Brenne mich in Leidensflammen rein!
O, die Not lehrt deinen Namen nennen!
Doch die Ehre steht so gern allein.

Lauscht vielleicht verborgen eine Spitze
In dem Lob, das mir die Menschen bringen,
Daß ich noch die letzte Kraft besitze
Dich zu rühmen, deinen Preis zu singen?
Sind auch hier die Netze aufgeschlagen,
Wo der Mund zu deiner Ehre schafft,
Und ich wär‘ zu schwach das Lob zu tragen,
Und es bräche meine letzte Kraft?

Herr! Du weißt, wie trüb in meiner Seele,
Wie verloren die Gebete stehen,
Daß ich möchte wie um große Fehle
Büßen, daß ich es gewagt zu flehen.
Mein Gebet ist wie von einem Toten,
Ist ein kalter Dunst vor deinem Thron;
Herr, du hast es selber mir geboten,
Und du hörtest den verlornen Sohn!

Laß mich, Herr, es immerdar empfinden,
Wie ich tief gesunken unter Allen,
Laß mich nicht zu allen meinen Sünden
Noch in frevelhafte Torheit fallen!
Meine Pflichten stehen über Vielen,
Unter Allen meiner Tugend Kraft.
Ach, ich mußte wohl die Kraft verspielen
In dem Spiel mit Sünd‘ und Leidenschaft!

Willst du mehr der Erdengüter schenken,
Soll ich die besessenen verlieren –
Laß in Lust und Jammer mich bedenken,
Was der fremden Armut mag gebühren!
Trag ich alles Erdenglück zu Grabe,
Es ersteht vielleicht unsterblich mir,
Wenn ich treulich meine arme Habe
In Entbehrung teile für und für.

Selber kann ich diesen Kampf nicht wagen.
Deine Gnaden hab‘ ich all verloren;
Wenn du mich verläßt, ich darf nicht klagen,
Hab‘ ich doch die Finsternis erkoren,
Hoffart, Ehrgeiz, dieser Erde Freuden.
O mein Jesu, ziehe mich zurück!
Ach, was hab‘ ich denn, um sie zu meiden,
Als zu dir den angsterfüllten Blick?

aus: Annette von Droste-Hülshoff – Das geistliche Jahr