Annette von Droste-Hülshoff – Am Gründonnerstage

Evang.: Von der Fußwaschung

O Wundernacht, ich grüße!
Herr Jesus wäscht die Füße.
Die Luft ganz stille stand;
Man hört den Atem hallen
Und wie die Tropfen fallen
Von seiner heil’gen Hand.

Fisch im Wasser
Fisch im Wasser

Da Jesus sich tut beugen,
Ins tiefe Meer sich neigen
Wohl Inseln diesem Gruß.
Ist er so tief gestiegen,
So muß ich ewig liegen
Vor meines Nächsten Fuß.

Herr, ob sich gleich betöret
Die Seele mein empöret
Vor aller Niedrigkeit,
Daß ich vielmehr mein Leben
In Qualen aufzugeben
Für deinen Ruhm bereit:

So gib, daß ich nicht klage,
Wenn du in meine Tage
Hast alle Schmach gebannt;
Laß brennen meine Wunden,
So du mich stark befunden
Zu solchem harten Stand!

O Gott, ich kann nicht bergen,
Wie angst mir von den Schergen,
Die du vielleicht gesandt
In Krankheit oder Grämen
Die Sinne mir zu nehmen,
Zu töten den Verstand!

Es ist mir oft zu Sinnen,
Als wolle schon beginnen
Dein schweres Strafgericht;
Als dämmre eine Wolke,
Doch unbewußt dem Volke,
Um meines Geistes Licht.

Doch wie die Schmerzen schwinden,
Die mein Gehirn entzünden,
So flieht der Nebelduft,
Und mit geheimem Glühen
Fühl‘ ich mich neu umziehen
Die frische starke Luft.

Mein Jesu, darf ich wählen,
Ich will mich lieber quälen
In aller Schmach und Leid,
Als daß mir so benommen,
Ob auch zu meinem Frommen,
Die Menschenherrlichkeit.

Doch ist er so vergiftet,
Daß es Vernichtung stiftet,
Wenn er mein Herz umfleußt:
So laß mich ihn verlieren,
Die Seele heimzuführen,
Den reichbegabten Geist.

Hast du es denn beschlossen,
Daß ich soll ausgegossen
Ein tot Gewässer stehn
Für dieses ganze Leben:
So will ich denn mit Beben
An deine Prüfung gehn.

aus: Annette von Droste-Hülshoff – Das geistliche Jahr

1. Fastensonntag 2021

Annette von Droste-Hülshoff

Am ersten Sonntag in der Fasten

Evang.: Von der Versuchung Christi

„Sprich, daß diese Steine Brode werden!
Laß dich deine Engel niedertragen!
Sieh die Reiche dieser ganzen Erden!
Willst du deinem Schöpfer nicht entsagen?“
Dunkler Geist, und warst du gleich befangen,
Da du deinen Gott und Herrn versucht:
Ach, in deinen Netzen zahllos hangen
Sie, verloren an die tück’sche Frucht.

Steine

Ehrgeiz, Hoffahrt, dieser Erde Freuden,
Götzen, denen teure Seelen sterben.
O mein Gott, laß mich nicht ewig scheiden!
Laß mich selber nicht den Tod erwerben!
Ganz verwirrt weiß ich mich nicht zu fassen,
Drohend schwankt um mich der falsche Grund;
Ach, der eignen schwachen Kraft gelassen,
Tret‘ ich sinnlos in den losen Schlund.

Jesu mein, zu dir steigt auf mein Flehen,
Auf der Kreuzesleiter meine Stimme!
Du berührst die Meere, sie vergehen,
Und die Berge rauchen deinem Grimme;
Doch mit tausend Himmelszweigen blühet
Dein unendlich Gnadenwort empor;
Du verlöschest nicht den Docht, der glühet,
Und zerbrichst nicht das geknickte Rohr.

Herr, ich bin ein arm und kaum noch glühend
Döchtlein am Altare deiner Gnade;
Sieh, mich löscht ein mattes Lüftchen fliehend,
Mich ein Tropfen von der Welt Gestade!
Ach, wenn nicht in meinem Herzen bliebe
Nur ein einzig leuchtend Pünktlein noch,
Jener heiße Funken deiner Liebe,
Wie so ganz erstorben wär‘ ich doch!

Herr, du hast vielleicht noch viel beschlossen
Für dies kurze ruhelose Leben,
Ob ich soll in Qualen hingegossen,
Ob ich soll in allen Freuden weben;
Darf ich wählen, und will Lust mich trennen,
Brenne mich in Leidensflammen rein!
O, die Not lehrt deinen Namen nennen!
Doch die Ehre steht so gern allein.

Lauscht vielleicht verborgen eine Spitze
In dem Lob, das mir die Menschen bringen,
Daß ich noch die letzte Kraft besitze
Dich zu rühmen, deinen Preis zu singen?
Sind auch hier die Netze aufgeschlagen,
Wo der Mund zu deiner Ehre schafft,
Und ich wär‘ zu schwach das Lob zu tragen,
Und es bräche meine letzte Kraft?

Herr! Du weißt, wie trüb in meiner Seele,
Wie verloren die Gebete stehen,
Daß ich möchte wie um große Fehle
Büßen, daß ich es gewagt zu flehen.
Mein Gebet ist wie von einem Toten,
Ist ein kalter Dunst vor deinem Thron;
Herr, du hast es selber mir geboten,
Und du hörtest den verlornen Sohn!

Laß mich, Herr, es immerdar empfinden,
Wie ich tief gesunken unter Allen,
Laß mich nicht zu allen meinen Sünden
Noch in frevelhafte Torheit fallen!
Meine Pflichten stehen über Vielen,
Unter Allen meiner Tugend Kraft.
Ach, ich mußte wohl die Kraft verspielen
In dem Spiel mit Sünd‘ und Leidenschaft!

Willst du mehr der Erdengüter schenken,
Soll ich die besessenen verlieren –
Laß in Lust und Jammer mich bedenken,
Was der fremden Armut mag gebühren!
Trag ich alles Erdenglück zu Grabe,
Es ersteht vielleicht unsterblich mir,
Wenn ich treulich meine arme Habe
In Entbehrung teile für und für.

Selber kann ich diesen Kampf nicht wagen.
Deine Gnaden hab‘ ich all verloren;
Wenn du mich verläßt, ich darf nicht klagen,
Hab‘ ich doch die Finsternis erkoren,
Hoffart, Ehrgeiz, dieser Erde Freuden.
O mein Jesu, ziehe mich zurück!
Ach, was hab‘ ich denn, um sie zu meiden,
Als zu dir den angsterfüllten Blick?

aus: Annette von Droste-Hülshoff – Das geistliche Jahr

Alles wird anders

Neue Dinge werfen ihre Schatten voraus. Der Geist von gestern wird vertrieben. Bald ist alles besser, schöner und … noch besser.

Weide in der Talaue
Der Geist aus der FlascheWeide

Ähhh … (Das könnte man durchaus als Boris-ähhh durchgehen lassen)

Weide in der Talaue
So sehen die meisten Weiden in der Talaue aus. Geistlos.

Gestern waren wir zum Ersten, aber mit Sicherheit nicht zum letzten Mal, in der Talaue Waiblingen. Dort haben wir auch unseren Nachwuchs, eine Lumix FZ 1000 II, getestet.

Wir sind sehr angetan.

Annette von Droste-Hülshoff – Am fünften Sonntag in der Fasten (1. Passionssonntag)

Evang.: Die Juden wollen Jesum steinigen

Die Propheten sind begraben,
Abraham ist tot!
Millionen Greis‘ und Knaben
Und der Mägdlein rot,
Viele, die mir Liebe gaben,
Denen ich sie bot:
Alle, alle sind begraben,
Alle sind sie tot!

Steine

Herr, du hast es mir verkündet,
Und dein Wort steht fest,
Daß nur der das Leben findet,
Der das Leben läßt.
Ach, in meiner Seele windet
Es sich dumpf gepreßt;
Doch du hast es mir verkündet,
Und dein Wort steht fest.

Aber von mir selbst bereitet
Leb‘ ich oft der Pein;
Alles scheint mir wohl geleitet,
Und der Mensch allein,
Der dein Ebenbild bedeutet,
Jammervoll zu sein;
Sieh, so hab‘ ich mir bereitet
Namenlose Pein.

Hab‘ ich grausend es empfunden,
Wie in der Natur
An ein Fäserchen gebunden,
Eine Nerve nur,
Oft dein Ebenbild verschwunden
Auf die letzte Spur:
Hab‘ ich keinen Geist gefunden,
Einen Körper nur!

Seh‘ ich dann zu Staub zerfallen,
Was so warm gelebt,
Ohne daß die Muskeln wallen,
Eine Nerve bebt,
Da die Seele doch an allen
Innig fest geklebt:
Möcht‘ ich selbst zu Staub zerfallen,
Daß ich nie gelebt!

Schrecklich über alles Denken
Ist die dumpfe Nacht,
Drin sich kann ein Geist versenken,
Der allein gedacht,
Der sich nicht von dir ließ lenken,
Helle Glaubensmacht!
Ach, was mag der Finstre denken,
Als die finstre Nacht?

Meine Lieder werden leben,
Wenn ich längst entschwand:
Mancher wird vor ihnen beben,
Der gleich mir empfand.
Ob ein Andrer sie gegeben,
Oder meine Hand:
Sieh, die Lieder durften leben,
Aber ich entschwand!

Bruder mein, so laß uns sehen
Fest auf Gottes Wort!
Die Verwirrung wird vergehen,
Dies lebt ewig fort.
Weißt du, wie sie mag entstehen
Im Gehirne dort?
Ob wir einst nicht lächelnd sehen
Der Verstörung Wort?

Wie es hing an einem Faden,
Der zu hart gespannt,
Mit entflammtem Blut beladen,
Sich der Stirn entwand?
Flehen wir zu Gottes Gnaden,
Flehen zu seiner Hand,
Die die Fädchen und die Faden
Liebreich ausgespannt!

aus: Annette von Droste-Hülshoff – Das geistliche Jahr

Tödliche Leidenschaft

Denn da wir im Fleische waren, waren die durch das Gesetz erregten sündhaften Leidenschaften wirksam in unsern Gliedern, so dass sie für den Tod Frucht brachten.

Gesehen auf dem alten Friedhof Freiburg
Gesehen auf dem alten Friedhof Freiburg

Jetzt aber sind wir von dem Gesetze des Todes, in welchem wir festgehalten wurden, befreit, so dass wir in Neuheit des Geistes und nicht nach dem alten Buchstaben dienen.

Röm 7. 5,6

In dem Stande, in dem der Mensch aus Adam als Kind des göttlichen Zornes hervorgeht, also im Stande des alten, der Herrschaft der Sünde und des Gesetzes unterworfenen Menschen. Das Gesetz gab keine Kraft, die Leidenschaft zu besiegen und vor dem zu bewahren, wonach diese strebten, den Sünden. Die Leidenschaften streben nach Befriedigung, diese liegt in der Sünde, der Lohn der Sünde aber ist der Tod; also streben die Leidenschaften darnach, für den Tod Früchte einzunehmen.