2. Fastensonntag 2021

Annette von Droste-Hülshoff

Am zweiten Sonntag in der Fasten

Evang.: Vom Cananäischen Weibe

Liebster Jesu, nur Geduld!
Wie ein Hündlein will ich spüren
Nach den Brocken deiner Huld,
Will mich lagern an die Türen,
Ob von deinen Kindern keines
Mir ein Krüstlein reichen will,
Hungerglühend, doch in meines
Tiefen Jammers Kunde still.

Abendlicht
Muß das Abendlicht mich sehen

Um Geduld fleh ich zu dir:
Denn ich muß in großen Peinen
Einsam liegen vor der Tür,
Wenn von deinen klaren Weinen,
Deinen lebensfrischen Gaben
Mir der Duft herüberzieht.
Ach, ein Tropfen kann mich laben,
Meine Zunge ist verglüht!

Weil ich fast in meiner Pein
Schaue wie aus Kindesaugen,
Meinen oft die Diener dein,
Daß ich mag zum Gaste taugen.
In Erbarmen ganz vermessen
Reichen sie die Schüsseln hin;
Doch ich will es nicht vergessen,
Daß ich wie ein Hündlein bin.

O, zum allergrößten Heil
Muß es mir bei dir gereichen,
Daß dir, o mein einzig Teil,
Nichts an Langmut zu vergleichen!
Denn es will mir öfters fahren
Durch die Glieder wie ein Blitz,
Deinen Kindern mich zu paaren,
Rasch erringend einen Sitz.

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9. Fastentag 2021

Schau! Sieh! Guck! Am Montag ist das Entenpärchen der Sonne entgegen gestartet.

Enten im Rosensteinpark
Hell strahlt die Sonne im Rosensteinpark. Bald ist Sonntag. Ein Freudentag! Jeder Sonntag ist ein Freudentag

Heute ist es dem Ziel nicht viel, aber doch ein ganz klein wenig näher gekommen.

Der Sonntag steht vor der Tür. Ein Freudentag! Halleluja!

Morgen kann ich endliche wieder alles essen.

Auch Ente.

6. Fastentag 2021

Ein paar Tage frühlingshaftes Wetter im Februar und schon beginnt alles zu sprießen.

Es grünt so schön
Der Frühling kommt. Es grünt so rot!

Unter solchen Bedingungen sollte es doch viel einfacher mit dem Fasten sein.

Moment! Wieso denn das? Was hat die sprießende Natur mit Fasten zu schaffen? Die Rosentriebe lassen sich sowieso nicht essen. Die schmecken nicht. Das habe ich schon probiert.

1. Fastensonntag 2021

Annette von Droste-Hülshoff

Am ersten Sonntag in der Fasten

Evang.: Von der Versuchung Christi

„Sprich, daß diese Steine Brode werden!
Laß dich deine Engel niedertragen!
Sieh die Reiche dieser ganzen Erden!
Willst du deinem Schöpfer nicht entsagen?“
Dunkler Geist, und warst du gleich befangen,
Da du deinen Gott und Herrn versucht:
Ach, in deinen Netzen zahllos hangen
Sie, verloren an die tück’sche Frucht.

Steine

Ehrgeiz, Hoffahrt, dieser Erde Freuden,
Götzen, denen teure Seelen sterben.
O mein Gott, laß mich nicht ewig scheiden!
Laß mich selber nicht den Tod erwerben!
Ganz verwirrt weiß ich mich nicht zu fassen,
Drohend schwankt um mich der falsche Grund;
Ach, der eignen schwachen Kraft gelassen,
Tret‘ ich sinnlos in den losen Schlund.

Jesu mein, zu dir steigt auf mein Flehen,
Auf der Kreuzesleiter meine Stimme!
Du berührst die Meere, sie vergehen,
Und die Berge rauchen deinem Grimme;
Doch mit tausend Himmelszweigen blühet
Dein unendlich Gnadenwort empor;
Du verlöschest nicht den Docht, der glühet,
Und zerbrichst nicht das geknickte Rohr.

Herr, ich bin ein arm und kaum noch glühend
Döchtlein am Altare deiner Gnade;
Sieh, mich löscht ein mattes Lüftchen fliehend,
Mich ein Tropfen von der Welt Gestade!
Ach, wenn nicht in meinem Herzen bliebe
Nur ein einzig leuchtend Pünktlein noch,
Jener heiße Funken deiner Liebe,
Wie so ganz erstorben wär‘ ich doch!

Herr, du hast vielleicht noch viel beschlossen
Für dies kurze ruhelose Leben,
Ob ich soll in Qualen hingegossen,
Ob ich soll in allen Freuden weben;
Darf ich wählen, und will Lust mich trennen,
Brenne mich in Leidensflammen rein!
O, die Not lehrt deinen Namen nennen!
Doch die Ehre steht so gern allein.

Lauscht vielleicht verborgen eine Spitze
In dem Lob, das mir die Menschen bringen,
Daß ich noch die letzte Kraft besitze
Dich zu rühmen, deinen Preis zu singen?
Sind auch hier die Netze aufgeschlagen,
Wo der Mund zu deiner Ehre schafft,
Und ich wär‘ zu schwach das Lob zu tragen,
Und es bräche meine letzte Kraft?

Herr! Du weißt, wie trüb in meiner Seele,
Wie verloren die Gebete stehen,
Daß ich möchte wie um große Fehle
Büßen, daß ich es gewagt zu flehen.
Mein Gebet ist wie von einem Toten,
Ist ein kalter Dunst vor deinem Thron;
Herr, du hast es selber mir geboten,
Und du hörtest den verlornen Sohn!

Laß mich, Herr, es immerdar empfinden,
Wie ich tief gesunken unter Allen,
Laß mich nicht zu allen meinen Sünden
Noch in frevelhafte Torheit fallen!
Meine Pflichten stehen über Vielen,
Unter Allen meiner Tugend Kraft.
Ach, ich mußte wohl die Kraft verspielen
In dem Spiel mit Sünd‘ und Leidenschaft!

Willst du mehr der Erdengüter schenken,
Soll ich die besessenen verlieren –
Laß in Lust und Jammer mich bedenken,
Was der fremden Armut mag gebühren!
Trag ich alles Erdenglück zu Grabe,
Es ersteht vielleicht unsterblich mir,
Wenn ich treulich meine arme Habe
In Entbehrung teile für und für.

Selber kann ich diesen Kampf nicht wagen.
Deine Gnaden hab‘ ich all verloren;
Wenn du mich verläßt, ich darf nicht klagen,
Hab‘ ich doch die Finsternis erkoren,
Hoffart, Ehrgeiz, dieser Erde Freuden.
O mein Jesu, ziehe mich zurück!
Ach, was hab‘ ich denn, um sie zu meiden,
Als zu dir den angsterfüllten Blick?

aus: Annette von Droste-Hülshoff – Das geistliche Jahr