Annette von Droste-Hülshoff – Am Ostersonntag

O jauchze, Welt, du hast ihn wieder,
Sein Himmel hielt ihn nicht zurück!
O jauchzet, jauchzet, singet Lieder!
Was dunkelst du, mein sel’ger Blick?

Ave Maria
Wir wünschen unseren Lesern frohe Ostern

Es ist zu viel, man kann nur weinen,
Die Freude steht wie Kummer da;
Wer kann so großer Lust sich einen,
Der all so große Trauer sah?

Unendlich Heil hab‘ ich erfahren
Durch ein Geheimnis voller Schmerz,
Wie es kein Menschensinn bewahren,
Empfinden kann kein Menschenherz.

Vom Grabe ist mein Herr erstanden
Und grüßet Alle, die da sein;
Und wir sind frei von Tod und Banden
Und von der Sünde Moder rein.

Den eignen Leib hat er zerrissen,
Zu waschen uns mit seinem Blut;
Wer kann um dies Geheimnis wissen
Und schmelzen nicht in Liebesglut?

Ich soll mich freun an diesem Tage
Mit deiner ganzen Christenheit,
Und ist mir doch, als ob ich wage,
Da Unnennbares mich erfreut.

Mit Todesqualen hat gerungen
Die Seligkeit von Ewigkeit;
Gleich Sündern hat das Graun bezwungen
Die ewige Vollkommenheit.

Mein Gott, was konnte dich bewegen
Zu dieser grenzenlosen Huld!
Ich darf nicht die Gedanken regen
Auf unsre unermeßne Schuld.

Ach, sind denn aller Menschen Seelen,
Wohl sonst ein überköstlich Gut,
Sind sie es wert, daß Gott sich quälen,
Ersterben muß in Angst und Glut?

Und sind nicht aller Menschen Seelen
Vor ihm nur eines Mundes Hauch?
Und ganz befleckt von Schmach und Fehlen,
Wie ein getrübter dunkler Rauch?

Mein Geist, o wolle nicht ergründen,
Was einmal unergründlich ist;
Der Stein des Falles harrt des Blinden,
Wenn er die Wege Gottes mißt.

Mein Jesus hat sie wert befunden
In Liebe und Gerechtigkeit;
Was will ich ferner noch erkunden?
Sein Wille bleibt in Ewigkeit!

So darf ich glauben und vertrauen
Auf meiner Seele Herrlichkeit!
So darf ich auf zum Himmel schauen
In meines Gottes Ähnlichkeit!

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Der Frühling beginnt heute

Endlich ist es soweit: Der Frühling beginnt. Damit sind endlich die Tage wieder länger als die Nächte und die globale Erwärmung schlägt zu. Seit heute, 20. 3. 2020 um 04:49, ist Frühling. Das ist eine gute Nachricht.

Wenn der gelbe Huflattich wieder blüht
Wenn der gelbe Huflattich wieder blüht

Die schlechte Nachricht: Das Wetter hat den Frühlingsbeginn nicht mitbekommen und denkt, es sei Winter. So behaupten es derzeit die Meterologen.

Dabei hätte es noch schlimmer kommen können. Frühlingsanfang im Februar. Wäre nicht ein beherzter Mann gewesen, dann wäre der 27. Februar 2013 Frühlingsbeginn. Der beherzte Mann war, wie sollte es anders sein, ein Papst. Ein Papst, der sich noch in vollem Umfang seiner Verantwortung vor Gott bewusst war und nicht in unterwürfiger Demut vor den Menschen versank.

Papst Gregor XIII. verordnete 1582 mit der päpstlichen Bulle „Inter gravissimas“ die Reform des bis dahin gültigen Julianischen Kalenders – das war bitter nötig.

Der damals gültige Julianische Kalender war mehr als 11 Minuten pro Jahr zu lang. Dieser Umstand führte dazu, dass alle 130 Jahre die Tagnachtgleiche um einen Tag früher stattfand. Bis ins 16. Jahrhundert hatten sich diese 11 Minuten pro Jahr bereits auf 10 Tage summiert so dass der Frühlingsbeginn im Jahr 1582 am 11. März stattfand. Das war ein riesiges Problem.

Nach dem Frühlingsbeginn wird das Osterfest berechnet. Das Konzil von Nicäa, 325, ging davon aus, dass die Tagnachtgleiche im Frühling immer auf den 21. 3. fällt. Somit sollte der frühest mögliche Ostertermin der 22. 3. und der spät möglichste der 25. 4. eines Jahres sein. (2008 war Ostersonntag am 23. 3, dem zweit frühsten Termin, und 2011 war der Ostersonntag auf dem 24. 4., dem zweit spätesten Termin.)

Der Julianische Kalender kannte Schaltjahre, die die Abweichung des Julianischen Jahres von dem tatsächlichen Jahr, dem Sonnenjahr, auszugleichen. Alle Jahre, die durch 4 teilbar sind, sind Schaltjahre mit 29. Februar.

Um ein fortwährendes Abrücken des Frühlingsanfangs vom 21. März in Zukunft zu vermeiden, wurde im Gregorianischen Kalender die Dauer des mittleren Kalenderjahres mit 365,2425 statt wie bisher mit 365,25 Tagen berücksichtigt.

Die Verkürzung erfolgte mit Hilfe einer weiteren, übergeordneten Schalttagregel. Jahre, die durch 100 ohne Rest teilbar sind, aber nicht durch 400 ohne Rest, sind keine Schaltjahre. Danach waren die Jahre 1700, 1800 und 1900 keine Schaltjahre. Die Jahre 1600 und 2000 waren Schaltjahre, weil auch durch 400 ohne Rest teilbar.

Weil 2000 ein Schaltjahr war, hat sich eine größere Verschiebung im Kalender ergeben, die bewirkt, dass der Kalender etwas vor geht und somit der Frühlingsanfang früher als am 21. beginnt. Ab dem nächsten Jahrhundert pendelt sich aber das Datum des Frühlingsbeginns wieder auf den 21. 3. ein.

Papst Gregor XIII. löste im übrigen das Problem, dass der Frühlingsbeginn im Jahr 1582 am 11. März war und wieder auf den 21. 3. kommen sollte, auf ganz einfache Art und Weise: Er strich 10 Tage aus dem Kalender. Auf dem 4. Oktober 1582 folgte der 15. Oktober und der Frühling begann 1583 wieder am 21. 3.