Der Frühling beginnt heute

Endlich ist es soweit: Der Frühling beginnt. Damit sind endlich die Tage wieder länger als die Nächte und die globale Erwärmung schlägt zu. Seit heute, 20. 3. 2020 um 04:49, ist Frühling. Das ist eine gute Nachricht.

Wenn der gelbe Huflattich wieder blüht
Wenn der gelbe Huflattich wieder blüht

Die schlechte Nachricht: Das Wetter hat den Frühlingsbeginn nicht mitbekommen und denkt, es sei Winter. So behaupten es derzeit die Meterologen.

Dabei hätte es noch schlimmer kommen können. Frühlingsanfang im Februar. Wäre nicht ein beherzter Mann gewesen, dann wäre der 27. Februar 2013 Frühlingsbeginn. Der beherzte Mann war, wie sollte es anders sein, ein Papst. Ein Papst, der sich noch in vollem Umfang seiner Verantwortung vor Gott bewusst war und nicht in unterwürfiger Demut vor den Menschen versank.

Papst Gregor XIII. verordnete 1582 mit der päpstlichen Bulle „Inter gravissimas“ die Reform des bis dahin gültigen Julianischen Kalenders – das war bitter nötig.

Der damals gültige Julianische Kalender war mehr als 11 Minuten pro Jahr zu lang. Dieser Umstand führte dazu, dass alle 130 Jahre die Tagnachtgleiche um einen Tag früher stattfand. Bis ins 16. Jahrhundert hatten sich diese 11 Minuten pro Jahr bereits auf 10 Tage summiert so dass der Frühlingsbeginn im Jahr 1582 am 11. März stattfand. Das war ein riesiges Problem.

Nach dem Frühlingsbeginn wird das Osterfest berechnet. Das Konzil von Nicäa, 325, ging davon aus, dass die Tagnachtgleiche im Frühling immer auf den 21. 3. fällt. Somit sollte der frühest mögliche Ostertermin der 22. 3. und der spät möglichste der 25. 4. eines Jahres sein. (2008 war Ostersonntag am 23. 3, dem zweit frühsten Termin, und 2011 war der Ostersonntag auf dem 24. 4., dem zweit spätesten Termin.)

Der Julianische Kalender kannte Schaltjahre, die die Abweichung des Julianischen Jahres von dem tatsächlichen Jahr, dem Sonnenjahr, auszugleichen. Alle Jahre, die durch 4 teilbar sind, sind Schaltjahre mit 29. Februar.

Um ein fortwährendes Abrücken des Frühlingsanfangs vom 21. März in Zukunft zu vermeiden, wurde im Gregorianischen Kalender die Dauer des mittleren Kalenderjahres mit 365,2425 statt wie bisher mit 365,25 Tagen berücksichtigt.

Die Verkürzung erfolgte mit Hilfe einer weiteren, übergeordneten Schalttagregel. Jahre, die durch 100 ohne Rest teilbar sind, aber nicht durch 400 ohne Rest, sind keine Schaltjahre. Danach waren die Jahre 1700, 1800 und 1900 keine Schaltjahre. Die Jahre 1600 und 2000 waren Schaltjahre, weil auch durch 400 ohne Rest teilbar.

Weil 2000 ein Schaltjahr war, hat sich eine größere Verschiebung im Kalender ergeben, die bewirkt, dass der Kalender etwas vor geht und somit der Frühlingsanfang früher als am 21. beginnt. Ab dem nächsten Jahrhundert pendelt sich aber das Datum des Frühlingsbeginns wieder auf den 21. 3. ein.

Papst Gregor XIII. löste im übrigen das Problem, dass der Frühlingsbeginn im Jahr 1582 am 11. März war und wieder auf den 21. 3. kommen sollte, auf ganz einfache Art und Weise: Er strich 10 Tage aus dem Kalender. Auf dem 4. Oktober 1582 folgte der 15. Oktober und der Frühling begann 1583 wieder am 21. 3.

if ((Jahr % 4) == 0)

„Richtig. Ein Jahr ist dann ein Schaltjahr, wenn es durch vier ohne Rest teilbar ist. Notieren Sie bitte diese Regel in c. Wir wollen eine allgemeingültige function erstellen, die logisch wahr zurückliefert, wenn ein Jahr ein Schaltjahr ist. Schreiben Sie es an die Tafel.“

Missmut hat einen Namen
Ich verstehe den MIst nicht!

if ((Jahr % 4) == 0 )
return true;

„Was bedeutet das ‚%’?“

„Das ist der Modulo Operator in c. Der liefert den Rest einer Division. 2012 % 4 ergibt 0, 2011 % 4 ergibt 3.“

„Reicht unsere Regel, alles was durch vier ohne Rest teilbar ist, ist ein Schaltjahr?“

„War 1800 ein Schaltjahr? 1700?“

„Wir ergänzen also unsere Schaltjahrberechnung wie folgt: Wenn ein Jahr durch vier ohne Rest teilbar ist, dann ist das Jahr ein Schaltjahr, außer es ist durch 100 ohne Rest teilbar.“

„Sie sagen 2000 war ein Schaltjahr, obwohl es durch 100 ohne Rest teilbar ist?“

„Weil es durch 400 ohne Rest teilbar ist. Also lautet unsere Regel: Ist das Jahr durch 100 ohne Rest teilbar und durch 400 ohne Rest teilbar, dann haben wir ein Schaltjahr.“

„Bitte, was meinen Sie? Den Schrott mit ‚durch 100 und 400 teilen’ können wir uns sparen?“

„Ich wiederhole es nochmal, das alle es mitbekommen. Papst Gregor XIII. reformierte den julianischen Kalender. Diese Reform bewirkte, das Ostern immer zwischen dem 22. 3. und dem 24. 4. fällt. Ohne seine Kalenderreform wären mittlerweile Ostertermine im Februar möglich. Lesen Sie bitte dazu diese Basics.“

„Sie haben die function schon codiert? Darf ich mal sehen?“

istSchaltjahr(int Jahr)
{
if ((Jahr % 400) == 0 )
return true;
else if ((uahr % 100) == 0 )
return false;
else if ((Jahr % 4) == 0 )
return true;

return false;
}

„Der Code sieht gut aus: Wenn durch 400 teilbar, dann ist es ein Schaltjahr. Wenn nicht durch 400 teilbar, dann prüfen, ob es durch 100 teilbar ist. Ist es durch 100 teilbar, dann liegt kein Schaltjahr vor und false wird zurückgegeben. Ist das Jahr nicht durch 100 teilbar, dann liegt ein Schaltjahr vor, wenn es durch vier teilbar ist.

Schreiben Sie ein kleines Testprogramm, korrigieren Sie die Compilerfehler und testen dann mit den Zahlen 2013, 2008, 2100 und 2400.

In der nächsten Stunde werden wir den Schaltjahresalgorithmus implizit brauchen, wenn wir die Ostertermine berechnen. Ich danke Ihnen!“

Ostern paradox

Der Ostertermin richtet sich immer nach dem ersten Vollmond im Frühling. Am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond ist Ostern. Gestern war Frühlingsbeginn und Heute ist Vollmond. UPS!

kein Wunder bei diesem Mann im Mond
Mann im Mond

Ostern ist aber nicht nächsten Sonntag, am 24. 3, sondern erst am 21. April. Verdorri, habe ich gedacht, wie kommt denn das?

Die einfachste Erklärung, die ich gefunden habe ist die, dass der der 21. März als fester Frühlingsanfang definiert, was auch zyklischer Frühlingsanfang genannt wird. Der tatsächliche astronomische Frühlingsanfang kann auf einen 19., 20. oder 21. März fallen. Damit ist dann der heutige Vollmond noch ein Wintervollmond.

Der zyklische Frühlingsanfang dient immer zur Berechnung des Ostertermins und damit ist der heutige Vollmond unbedeutend. Ja, ich lerne auch in meinem Alter nicht aus. Der letzte paradoxe Ostertermin war im Jahr 1962, da war ich noch ein Kind und solche Dinge haben mich nicht sonderlich interessiert.

Hier zur Erholung nach so umfangreichen Recherchen Clair de Lune.


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