Unbestätigten Gerüchen nach

Unbestätigten Gerüchten nach soll die russische Seele dadurch zur Räson gebracht werden, in dem alle russischen Künstler auf den Index gehievt werden. Also rauf mit dem Podex.

Rosensteinpark
Die Russen kommen

Also nix mehr Mussorgsky (war sowieso eine Schnapsnase), nix mehr Penderecki (war sowieso ein Pole) und nix mehr Schostakowitsch (dazu fällt mir kein No-Go ein (außer dass er ein Russe war)).

Also, es ist schon ganz schön heikel Russen zu promoten. Mich stört es nicht, denn ich spiele jetzt ein schönes Stück von Grieg. Der war Norweger. Ach du je, der war mit Tschaikowsky befreundet.

Wenn es also sein muss: Anna Netrebko singt Solveig’s Lied.

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Mussorgski, Bilder einer Ausstellung; Das große Tor von Kiew

Das große Tor von Kiew

Das Tor von Kiew
Das Tor von Kiew mit Wucherer, gemalt nach einer Idee von mir

bezieht sich auf den zeichnerischen Entwurf für ein Stadttor mit Glockenturm und einer kleinen Kirche im Innern.

Durch ein vollgriffiges und durch Bassvorschläge „gewichtig“ gestaltetes Thema beschreibt Mussorgski die majestätische Größe des Tores.

Der sakrale Aspekt wird durch zwei eingeschobene Episoden im vierstimmigen Choralsatz angedeutet. Glockenartige Akkorde im Bass schaukeln sich zu einem reichhaltigen Geläute auf.

Volker Hartung, Kölner, Jahrgang 1955, traf 1976 auf Erich Kluge, den Gründer der Jungen Philharmonie Köln, die er zusammen mit ihm zum Symphonieorchester aufbaute.

Seit 1986 ist er ihr Leiter.

Live aus der Hamburger Laeiszhalle:

Volker Hartung dirigiert die Junge Philharmonie Köln in Mussorgsky/Ravel’s ‚Bilder einer Ausstellung‘

Der Gnom und das alte Schloss

Auf der Burg haus‘ ich am Berge,
Unter mir der blaue See,
Höre nächtlich Koboldzwerge,
Täglich Adler aus der Höh‘,
Und die grauen Ahnenbilder
Sind mir Stubenkameraden,
Wappentruh‘ und Eisenschilder
Sofa mir und Kleiderladen.

Der Gnom und das alte Schloss
Schaurige Dinge geschehen im alten Schloss. Urg! Ist das romantisch.

Schreit‘ ich über die Terrasse
Wie ein Geist am Runenstein,
Sehe unter mir die blasse
Alte Stadt im Mondenschein,
Und am Walle pfeift es weidlich,
– Sind es Käuze oder Knaben? –
Ist mir selber oft nicht deutlich,
Ob ich lebend, ob begraben!

Mir genüber gähnt die Halle,
Grauen Tores, hohl und lang,
Drin mit wunderlichem Schalle
O Langsam dröhnt ein schwerer Gang;
Mir zur Seite Riegelzüge,
Ha, ich öffne, laß die Lampe
Scheinen auf der Wendelstiege
Lose modergrüne Rampe,

Mussorgsky Pictures at an exhibition „Gnomus“, „Old Castle“

Die mich lockt wie ein Verhängnis,
Zu dem unbekannten Grund;
Ob ein Brunnen? ob Gefängnis?
Keinem Lebenden ist’s kund;
Denn zerfallen sind die Stufen,
Und der Steinwurf hat nicht Bahn,
Doch als ich hinab gerufen,
Donnert’s fort wie ein Orkan.

Ja, wird mir nicht baldigst fade
Dieses Schlosses Romantik,
In den Trümmern, ohne Gnade,
Brech‘ ich Glieder und Genick;
Denn, wie trotzig sich die Düne
Mag am flachen Strande heben,
Fühl‘ ich stark mich wie ein Hüne,
Von Zerfallendem umgeben.

Annette von Droste-Hülshoff, geb. 1797, gest. 1848

Bild, Gedicht und Musik gewidmet dem Spätburgunder vom Alten Schloss.