Ich mache das sehr gern. Ein kleines gemütliches Schwätzchen im Treppenhaus, eher mit Frau, als mit Herrn Nachbarn, Männer sind in dieser Sache nicht so begabt.
So auch vorhin. Ich bringe den Müll weg und siehe da, ich treffe meine Lieblingsschwatznachbarin.
Kaum haben wir uns gegrüßt, „Grüß Godd, Frau Nachbarin“, da haben wir schon unser Thema. Der Mann von Frau Sowieso, mein Gott, die arme Frau, den hat die nicht verdient. Und die Tochter von Familie Soundso, ja, ein tragischer Fall. Keine anderthalb Stunden später haben wir die nähere und weitere Nachbarschaft eingehend analysiert.
Jetzt käme eigentlich die Verwandtschaft an die Reihe, doch da platzt es aus Frau Nachbarin heraus: „Sie sind doch adelich und belese, was heben Sie vo dem Herrn Dings und den Schwule im Vadikan?“
Ich hole tief Luft und mache ein bedeutsames Gesicht. „Jaaa“, antworte ich langsam und bedächtig, „des isch oi Problem.“
Ich lege mir geschwind meine Schwatzstrategie zurecht und erkläre, dass der Herr Dings, sehr viel erzählen könne und der Papst habe auch schon von Homokorrupten im Vatikan gesprochen. „Aber“, so stelle ich ganz unverblümt meine Frage in den Raum, „warum nennd dr Herr Mädr koi Name, gell? So schdreid r nur böse und unhaldbare Gerüchde.“
„Des hedd au dr vorledschte Pabsch gsagd. Vor Weihnachde hedd r den Midarbeideret ins Gewisse gereded und ihne des Tradsche verboden.“
Ich schaue in das begeisterte Gesicht meiner Nachbarin, dann fahre ich fort: „Auch dr ein Prälad hedd vor den schlimme Folge vom Tradschens gwarnd. Tradsch verdirbd den Mensche und diese Erfahrung mache mir däglich. Für den Herrn Prälade gild: Tradschverweigerung. Akdiv und bassiv.“
„Ja“, strahlt meine Nachbarin mich an, „Tradsche isch bösardich und niederdrächdich. Des hedd gar nix mid unserem beschaulile Schwädze z dun. Tradsche isch irgendwie Norddeidsch“
Ich stimme meine Nachbarin aus fröhlichem Herzen zu. Wir verstehen uns eben.






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